eBay Kleinanzeigen – Segen oder Betrug?

Betrug bei eBay Kleinanzeigen. Worauf muss ich achten? Mit Hirn und ohne Gier kann man die meisten Klippen schon umschiffen.

Schwank aus der Vergangenheit

Ich bin in letzter Zeit wieder mehr auf eBay und eBay Kleinanzeigen aktiv. Beleidigungen und Bedrohungen von potentiellen Käufern bin ich schon gewohnt. Es gibt tatsächlich Menschen, die total ausflippen, wenn man nicht innerhalb weniger Minuten antwortet. So ist es mal geschehen, dass ich spät abends noch Nachrichten über eBay Kleinanzeigen bekommen habe. Diese habe ich ignoriert. Irgendwann möchte ich auch mal schlafen 😉 Am nächsten Morgen durfte ich dann lesen, was für ein Hustensohn ich denn wäre und ich sterben solle. Übrigens habe ich dieser Person den Artikel noch verkauft. Ich war neugierig wer das ist. Es war ein älterer Herr. Es ist also nicht die Jugend, die so verkommen ist.

Ein anderes Mal hatte ich einen hochpreisigen Artikel angeboten und für diesen Artikel folgende Nachricht bekommen.

Wie kannst du es wagen, mit so hohen Preisen eBay Kleinanzeigen zu diskreditieren und hier zu betrügen. Du sollst dich schämen. Wenn du den Preis heute nich auf ein vernünftiges Niveau runtersetzt, werde ich entsprechende Schritte einleiten. Mache dir keine Mühe, mich aufzuspüren. Ich habe Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

anonymer eBay Kleinanzeigen Nutzer

Manchen Menschen ist einfach nur langweilig.

Pay Safe

Seit kurzem gibt es bei eBay Kleinanzeigen die “Sicher bezahlen” Funktion. Der Käufer zahlt das Geld an eBay. Nach Zahlungseingang gibt eBay dem Verkäufer Bescheid, dass Bezahlt wurde und teilt die Empfangsadresse mit. Wenn der Käufer den Empfang bei sich bestätigt, überweist eBay den vereinbarten Betrag an den Verkäufer. Wenn der Käufer den Eingang nicht bestätigt, wird das Geld nach 14 Tagen von eBay an den Verkäufer überwiesen. Beschwert sich der Käufer bei eBay, bekommt der Verkäufer das Geld nicht. Das System hat Vor- und Nachteile.

Vorteile

  1. Es ist (noch) kostenlos für Käufer und Verkäufer
  2. Das Zahlungsmedium (Überweisung, Paypal, …) ist nicht vom Verkäufer vorgegeben
  3. Der Verkäufer gibt seine Zahlungsdaten nicht an beliebige Fremde preis
  4. Der Käufer kann im Streitfall das Geld zurückbekommen

Nachteile

  1. Der Verkäufer wartet lange auf sein Geld
  2. Der Käufer kann die Auszahlung sabotieren
  3. Wenn der Käufer bei akzeptierter Anfrage nicht zahlt, ist der Artikel blockiert

Ich habe das System schon ein paar Mal als Verkäufer genutzt und bisher immer mein Geld bekommen. Dennoch war es für mich angenehmer, wenn meine Käufer mich einfach per Paypal bezahlt haben. Vor allem, wenn eine Konversation so beginnt:

Warum kein Käuferschutz? ich möchte doch sicher gehen dass das Paket ankommt

anonymer eBay Kleinanzeigen Nutzer

Dieser potentielle Käufer hat dann eine Kaufanfrage gestellt und ich habe sie akzeptiert. Natürlich, nachdem ich mich vorher bei ihm gemeldet hatte:

Guten Morgen, warum gleich so vorwurfsvoll? Gruß, Marcus

Marcus

Die Nervigen

Für gewöhnlich läuft alles ruhig und gesittet ab. Es gibt trotzdem immer wieder nervende Menschen. Da ist der Typ, der immer viel zu wenig bietet und das auch noch bei mehreren deiner Artikel ausprobiert. Die Steigerung davon ist dann der Typ, der einem dann auch noch einen Link aus einem Chinashop schickt, in dem die Fälschung dann viel günstiger zu haben ist.

Oder die ganzen Studenten, die einen anschreiben, dass ihre Grafikkarte gerade den Geist aufgegeben hat und sie nun dringend eine neue brauchen (ich habe/hatte ein paar Grafikkarten verkauft). Natürlich ist das vorhandene Budget nur sehr klein. Sorry, da muss der gute Student halt sparen. Eine gute GTX 1080TI gibt es nun mal gerade nicht für 300 € (im Jahr 2021, Chip-Krise).

Betrug

Wenn es zu gut ist, um wahr zu sein, ist es nicht wahr.

Mehr als nervig sind dann die Menschen, die ihre Mitmenschen betrügen wollen. Da spielt es keine Rolle, ob man Käufer oder Verkäufer ist. Es gibt Betrugsmaschen für beide Seiten.

Heute, wo die Grafikkartenpreise so extrem hoch sind, werden überall High-End Grafikkarten angeboten. Auch wenn in den Angeboten steht, dass die Karten abgeholt werden können, haben die Verkäufer sofort nicht mehr reagiert, wenn ich die Karte abholen wollte. Solange man mit Paypal zahlen möchte, wird noch kommuniziert. Da wäre eBay Pay Safe wieder für den Käufer gut.

Betrug für die Kleinen

Ich hatte mal eine OnePlus 3 im Angebot. Sofort hatte ich ganz viele Anfragen, ob ich die IMEI Nummern zuschicken könnte. Der potentielle Käufer müsse was nachprüfen. Das kam mir seltsam vor. Zu der Zeit gab es bei Fortnite (?) eine Aktion, wenn man da als One Plus 3 Benutzer seine IMEI eingibt, bekommt man im Spiel was geschenkt. Also auch hier wollte niemand was kaufen und einfach nur etwas kostenlos abgreifen.

Betrüge den Verkäufer

Die einfachste Masche den Verkäufer zu betrügen ist, als Käufer auf einen Versand zu drängen, bevor das Geld beim Verkäufer eingegangen ist. Zahlungsweise ist hier meistens “Überweisung”. Meistens wird dann irgendein Screenshot von einer Bankensoftware als Beweis der Zahlung vom Käufer dem Verkäufer zugeschickt.

Je drängelnder der potentielle Käufer ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass hier Betrug vorliegt. Ich hatte durchaus auch schon Käufer, die mir einen Screenshot ihrer Überweisung geschickt haben und das Geld kam dann ein paar Tage später an. Den Artikel habe ich dann natürlich gleich verschickt. Ich habe es aber auch schon mehrfach erlebt, dass trotz versprochner Überweisung, nie Geld auf meinem Konto einging. Ich habe hier auch ein bisschen geflunkert und den Artikel nicht wie versprocheen nach der “Screenshot-Überweisung” verschickt.

Betrüge den Verkäufer und Käufer zugleich

Noch perfider ist dieser Betrug gegen Verkäufer. Bislang gilt die Gepflogenheit, dass ein Artikel erst versendet wird, wenn das Geld eingegangen ist. So war man als Verkäufer auf der sicheren Seite. Ein Käufer zahlt nun einen Artikel per Paypal und als Verkäufer versendet man den Artikel. Soweit eigentlich gut.

Der Verkäufer weiß allerdings nicht, dass der zahlende Mensch nicht der Käufer ist. Der Käufer seinerseits hat nämlich einen Artikel verkauft, der dem Preis meines Artikels entspricht und dafür einen Käufer gefunden. Mein Käufer gibt nun seinem Käufer meine Paypal Adresse. Ich bekomme also das Geld vom Käufer meines Käufers. Mein Käufer versendet seinen Artikel natürlich nicht an seinen Käufer. Dieser beschwert sich irgendwann bei Paypal, dass sein Artikel nicht angekommen ist. Paypal kann schlimmsten Falls mein Paypal Konto einfrieren und ich bekomme eine Anzeige (erst mal gegen Unbekannt) vom Käufer meines Käufers. Auf diese Weise hat mein Käufer seinen Artikel kostenlos bekommen und ich werde des Betrugs bezichtigt.

Dem kann man zum Glück relativ leicht entgegnen. Ich sage meinen Paypalzahlern, dass diese ihre Empfangsadresse und den Artikelnamen als Mitteilung bei der PayPal-Zahlung reinschreiben sollen. Es spielt hier keine Rolle, ob nun normales PayPal oder PayPal an Freunde und Familie.
Ein paar Mal ist es bei mir schon passiert, dass ab dem Zeitpunkt der potentielle Käufer den Kontakt abbricht.

“Beweise mir, dass es echt ist” Betrug

Immer mal wieder bekomme ich Nachrichten, in denen ich gebeten werde, zu beweisen, dass ich den Artikel wirklich verkaufen will und dass ich als Verkäufer echt bin.

Würde sie sofort nehmen können und Überweisen wenn sie mir ein Bild mit der Karte und ihrem Ausweis als Sicherheit senden das wäre echt Top auf Grund häufigerens Betruges hier auf eBay Mfg

anonymer eBay Kleinanzeigen Nutzer

Oder ich soll ein Video machen, wie der Artikel in Aktion aussieht, um sicherzustellen, dass der Artikel funktioniert.

Betrüger fragt nach Beweisbild

Bitte fotografiert euren Personalausweis nicht und schickt den herum.

Woher ich weiß, dass es Betrüger waren? Die Accounts werden meistens wenig später von eBay gesperrt. Wenn es keine neuen Accounts waren, dann sind es gekaperte alte Accounts.

Fazit

Noch einmal: Wenn es zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist es nicht wahr. In Zeiten des Internets kennen die Leute die Preise der Artikel. Klar kommt es immer mal wieder vor, dass man etwas günstig bekommt. Dass jemand eine Nvidia RTX 3090 für 2000€ (Jahr 2021) ist allerdings sehr unwahrscheinlich.