Von RP zu RM

In der Eröffnungsrede zum 12. Fachtagung Rapid Prototyping in Hamburg sprach der Dekan der Fakultät Technik und Informatik, Dr.-Ing. Thomas Flower davon, dass man die Fachtagung von Rapid Prototyping in Rapid Manufacturing umbenennen müsse. Die Technik gäbe es längst her, dass man mit Hilfe der 3D Drucktechnik fertige Produkte und nicht nur Prototypen aus einem Drucker bekommt. Einer der Redner, Marius Lakomiec von MTU Aero Engines GmbH, berichtete, dass sein Arbeitgeber bereits Teile für Turbinen im 3D Druckverfahren herstellt. Noch befindet sich Alles in der Testphase und es werden nur unkritische Teile aus dem 3D Drucker kommen, aber es ist schon mal der erste Schritt.

Auch wenn ich in einem vorigen Artikel schrieb, dass sich nicht viel geändert hat, hat sich im Detail doch viel geändert. Die Maschinen sind zuverlässiger und genauer geworden und verhalten sich reproduzierbar im Gegensatz zu ihren Urahnen in den 80ern und 90ern. Auch das Verständnis für Bionik hilft, den 3D Druck voran zu treiben. So lassen sich besonders leichte und stabile Strukturen erstellen, die man nur im additiven Druckverfahren herstellen kann.

Gegen Ende der Fachtagung hat Olaf Hasselbusch von der Toni Maroni GmbH, den Fabbster vorgestellt. Er hat den Fabbster eine Zeit lang getestet und fragt: „Ist der Fabbster geeignet für die (Klein-)Serienproduktion?“ Der Fabbster ist einer der preiswerteren Modelle für den Heimanwender. Eben hier liegt auch sein Anwendungsgebiet.

Eine Serienproduktion ist auf Grund einiger Dinge nur erschwert möglich und Herr Hasselbusch rät eher davon ab. Das Ladesystem, der Fabbster hat statt einer Filamentrolle einzelne Stäbe, ist fehleranfällig. Es komme ab und an vor, dass sich die Stäbe bei der Zufuhr zum Druckkopf auseinander haken und der laufende Druckjob abgebrochen werden muss.

Das Druckbett ist ebenfalls nicht sehr stabil und zudem ungeheizt. Der Fabbster druckt (zur Zeit) nur mit ABS. ABS setzt aber eine stabile Temperaturumgebung voraus, in der das ABS sehr langsam abkühlen kann. Wird der Kunststoff zu schnell abgekühlt, weil zum Beispiel das Druckbett kalt ist, oder ein Luftzug an dem im Druck befindlichen Modell vorbei streift, treten im ABS starke Spannungen auf, die schnell dazu führen, dass sich das Modell verzieht und von dem Druckbett löst. Ergebnis: Druck fehlgeschlagen. Auch die Software (der Druckertreiber) ist momentan auf Grund der großen Anzahl von Einstellmöglichkeiten, die man zudem auch noch auf jedes Modell anpassen sollte, eher etwas für Bastler und Enthusiasten.

Kurz angesprochen hat Herr Hasselbusch auch seine Abenteuer mit einem aus den USA importierten günstigen 3D Drucker. Laut Internetshop war der Drucker ab Lager lieferbar. Im Kleingedruckten stand dann allerdings: erst in x Wochen ab Lager lieferbar. Also musste er erst einmal lange warten. Dann fiel der Heizwiderstand an der Druckdüse aus. Er fragte den Support, welcher Widerstand verwendet wird, damit er ihn austauschen könne. Der Support hat leider nur geantwortet, dass er den Druckkopf einschicken solle. Seit dem verstaubt der Drucker.

Fazit:

Die modernen und leider auch sehr teuren Industrie-3D-Drucker kann man zum Rapid Manufacturing benutzen. Die 3D Drucker für den Heimanwender sind damit nicht vergleichbar. Der Unterschied liegt dabei oft nur an der Zuverlässigkeit. Hohe Zuverlässigkeit = höherer Preis. Die Auflösung, die die unterschiedlichen Drucker schaffen, spielt keine ganz so große Rolle. Eher noch der verfügbare Druckraum.