Recruiter Diarrhö

Die Ansprache

Es ist nicht ungewöhnlich, dass man mal von einem Recruiter auf einem der anti/sozialen Netzwerke angeschrieben wird. Ich freute mich noch bei der ersten Handvoll von Anfragen. Mein Selbstwertgefühl wurde da noch gehoben. Aber mit der Zeit hat sich das Gefühl geändert.

Hier eine aktuelle Anfrage, die ich hier gekürzt wiedergeben möchte. Lieber Recruiter, wenn du dich hier wiedererkennst, bist du nicht alleine. Sei mir nicht böse.

Hallo Marcus,
du sprichst fließend Java? Testing ist genau dein Ding! Dann bin ich bei dir ja richtig.

Konkret, ich suche nach einem Software Test Ingenieur (w/m/d). Klasse Arbeitgeber, mehrfach ausgezeichnet als Bester Arbeitgeber. Sehr gutes Gehaltspaket mit vielen Sozialleistungen und Teamevents. Neues IT-Zentrum, mit Büros aus Glas und modernste Einrichtung.

Gearbeitet wird agil unter Scrum. Dich erwartet eine umfängliche Continuous Integration & Continuous Delivery Umgebung, in der du eigenverantwortlich arbeiten kannst. Durch die Technologie, die das Unternehmen nutzt, bist du immer auf dem aktuellsten Stand.

Tonart

Mir ist es gleich, ob ich gesiezt oder gedutz werde. Beides kommt etwa gleich oft vor. Auch darf der Tonfall generell etwas flapsiger sein, wenn es zum potentiellen neuen Arbeitgeber passt. Letztendlich interessieren mich nur ein paar Fakten, die ich mir beim Querlesen aus der Nachricht scanne.

Buzzword Bingo

Die Jahre vergingen bei mir, die Anfragen wurden jedoch immer langweiliger.
Buzzword Durchfall. Eine Krankheit, die viele Recruiter befällt.

Java, C#, Python, top modernes Büro, state of the art Arbeitsumgebung, neuste Technologien, Scrum, agile Methoden, beste Sozialleistungen, viele Zusatzleistungen, Teamevents, eigenverantwortliches Arbeiten, flache Hierarchien und noch relativ neu mit dabei CI und CD
Fast ausgestorben sind hingegen: familienfreundlich/Work life balance, geregelte Arbeitszeit, klare Strukturen

Die Buzzwords müssen irgendwie untergebracht werden. Egal ob es passt oder nicht.

Ist das Kunst, oder kann das weg?

Normalerweise antworte ich auf jede Nachricht, sofern sie nicht komplett daneben ist. Manchmal kommt es vor, dass Recruiter mit ihren Kunden durcheinander kommen und man eine Nachricht bekommt, die ganz offensichtlich nicht für mich bestimmt war. Ja, Recruiter sein kann sehr stressig sein. Aber als Recruiter macht man einfach keine gute Arbeit, wenn man nur einen Buzzword Generator anschmeißt und dann alle Leute anschreibt, die eine grob gefilterte Suche ausspuckt.

Meine Antwort

Hallo,
Glasbüros, am besten noch mit einer großzügigen Außenglaswand, auch wenn der Ausblick toll ist, sind ein Ausschlusskriterium für mich. Bei starker Sonneneinstrahlung kommt da keine Klimaanlage gegen an. Sofern es aus Umweltgründen überhaupt eine Klimaanlage gibt.

Ob jetzt Scrum, Kanban oder auch das gute alte Wasserfallmodell spielt hier keine so große Rolle, solange die Firma nicht versucht, mit der fancy agilen Methode gewisse Defizite im Management zu verdecken.

CI&CD sind der feuchte Traum eines jeden Managers. Jederzeit kann dem Kunden etwas präsentieren werden. Mit Scrum am Ende des Sprints sowieso.

“Eigenverantwortlich” heißt bei vielen Firmen leider, dass niemand die Verantwortung tragen möchte und man selber ohne Entscheidungsbefugnis Entscheidungen treffen soll.

“Viele Sozialleitungen” lässt mich aufhorchen. JobRad, JobFit, Nahverkehrsticket, Essen und Trinken und der Firma, Firmenwagen macht ja jeder. Wer hier mit “Vielen Sozialleistungen” auffallen möchte, muss sich schon was einfallen lassen. Vielleicht ist hier auch gemeint, dass die Firma viele soziale Leistungen erbringt und so den Hilfsbedürftigen unter die Arme greift (natürlich nicht nur aus steuerlichen Gründen).

Mfg, Marcus

Abschluss

So lange Antworten von mir sind eher die Ausnahme. Ja, meine Antwort ist auch polemisch. Jedoch, wenn dieser Text einem Recruiter hilft, seinen oder ihren Text zu überdenken, hat sich der Artikel schon gelohnt.

Auf eine gute und ehrliche Kommunikation!

DEFCON 1 – Bitte nicht stören

DEFCON oder auch Verteidigunsbereitschaftszustand spielt nicht nur beim Militär eine Rolle.

Auf der Arbeit ist es völlig normal, dass man immer mal wieder mit seinen Kollegen kommunizieren “muss”. Klar gibt es Firmen, in denen jeder isoliert für sich arbeitet. Dort ist die Kommunikation untereinander auf das nötigste beschränkt. “Nicht optionale gesellschaftliche Konventionen”, wie es Sheldon in The Big Bang Theory nennt.

Der normale Alltag besteht aber eher darin, dass man sich selber immer mal wieder an Kollegen wendet, um Informationen (Feedback, Lösungen, etc.) zu erhalten oder eben Kollegen kommen zu einem selber und haben Fragen.

Soweit kein Problem. Selbst “Tratschen” fördert die Produktivität. Dabei geht es nicht darum, dass man Gerüchte in die Welt setzt, sondern dass man einfach mal seinen Platz verlässt und sozial mit anderen interagiert. Laut Bildschirmarbeitsverordnung ist eine regelmäßige Abwechslung bei Bildschirmarbeiten sogar vorgesehen. Diese Abwechslung macht den Kopf wieder frei und entspannt. Die Arbeit fällt dann wieder etwas leichter.

Wenn dann aber mal Stress aufkommt oder man sich auf eine komplizierte Aufgabe konzentrieren möchte, sind Störungen eher unwillkommen. Gerade bei komplizierten Aufgaben kostet jede Störung viel Zeit. Nur woher sollen die Kollegen wissen, dass man selber gerade nicht gestört werden möchte? Man kann ein Fähnchen an den Monitor klemmen. Das wäre eine simple und effektive Möglichkeit. Man muss die Fähnchen nur einmal den Kollegen mitteilen.

Mir gefallen technische Spielerein. In Anlehung an das DEFCON der USA habe ich eine 5 farbige Ampel gebaut. Dazu dann noch 3 Taster. Ein Taster, um die Gefahrenstufe zu erhöhen, der zweite, um die Gefahrenstufe zu senken und der dritte Taster schaltet die Ampel in den stromsparmodus (Akkubetrieb oder USB möglich) oder weckt die Ampel eben aus diesem.

DEFCON Ampel

DEFCON Ampel

Das Gehäuse ist nur ein erster Test. Es hat sich gleich herausgestellt, dass die Tasten am besten von oben drückbar sein sollte. So von der Seite gedrückt fällt der 20 cm hohe Turm zu leicht um.

Das Ganze wird über einen kleinen Arduino Mini Pro gesteuert. Hier ist der Sketch:

In dem Sketch sind ein paar Sachen vom SleepMode bewusst auskommentiert. Der auskommentierte Teil gehört zum ATtiny. Dieser funktioniert prinzipiell auch beim normalen Arduino, muss aber ein klein wenig angepasst werden. Die Anpassungen habe ich mir (erst einmal) erspart und die einfache Methode genutzt.

Als nächstes wird der Code ein wenig aufgeräumt. Dann kommt das Feature hinzu, dass sich die Ampel, stündlich seit der letzten Benutzung eine Gefahrenstufe herunter geht. So sieht man dann auch selber, wann eine Stunde um ist und man sich selber mal eine kleine Abwechslung gönnen muss.