Stellenausschreibung: Projektleiter (m/w/d) gesucht

Manchmal lese ich mir Stellenangebote durch. Eher aus Belustigung. Denn zuweilen kann man die Anzeige doch nur als Satireversuch ansehen. Ich erzähle aus meiner eigenen Sicht mit meinen eigenen Erfahrungen.

Hier mal ein Ausschnitt einer solchen Anzeige

Projektleiter (m/w/d) gesucht!

  • ✔ Freuen Sie sich auf: (oder auch “Das bieten wir”)
  • Ein flexibles Gleitzeitsystem
  • Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • Jahressonderzahlungen (Urlaubs-/Weihnachtsgeld)
  • Homeoffice möglich nach Absprache
  • Familiäre Duz-Kultur
  • Betriebliche Altersvorsorge (Metallrente)
  • Weiterbildungsmöglichkeiten

Projektleiter

Als Projektleiter muss man sich immer den Arbeitszeiten anderer anpassen. Hier ein striktes Arbeitszeitmodell vorschlagen zu wollen, ist total kontraproduktiv. Ein Projektleiter ist eine Schnittstelle intern zwischen den eigenen Abteilungen und auch eine Schnittstelle zu externen Kontakten. Gerade bei externen Kontakten, noch deutlicher bei Kontakten aus anderen Zeitzonen, weiß man nie, wie dort so gearbeitet wird. Da kommt es schnell mal vor, dass man um 21 Uhr abends mit Amerika telefoniert oder um 4 Uhr morgens noch mal kurz mit China chattet.

Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Das Urlaubs- und Weihnachtsgeld klingt ja erst mal ganz nett. Allerdings bewirbt man sich bei der Position mit einem Jahresgehalt. In diesem Jahresgehalt ist das Urlaubs- und Weihnachtsgeld schon enthalten. Das bedeutet, dass man in 10 von 12 Monaten weniger Gehalt bekommt, dafür an den anderen beiden Monaten etwas mehr Gehalt. Total unpraktisch aus meiner Sicht. Das stammt auch noch aus einer Zeit, als man seinen Angestellten nicht zutraute, ihr eigenes Geld zu verwahren und es erst ausgezahlt hat, wenn es wirklich benötigt wurde. Im Sommer, für den Urlaub und im späten Herbst für die Weihnachtseinkäufe.

Der Punkte Urlaubs- und Weihnachtsgeld wurde in dieser einen Anzeige gleich zwei mal reingeschrieben. Scheint also ein großes Ding in dieser Firma zu sein. Urlaubs- und Weihnachtsgeld ist nicht mal eine wirkliche Sonderzahlung (jaja, Firma zahlt das freiwillig, … ). Das Einkommen daraus wird ganz normal versteuert und wie schon geschrieben, ist es letztendlich Teil des normalen Jahresgehaltes (den höheren Steuersatz betrachte ich hier mal nicht). Vielleicht werden hier auch Prämien oder Gewinnbeteiligungen mit rein gezählt. Es gibt noch die Sachbezugsfreigrenze von (momentan) 50 € je Monat. Naja, sowas könnte man bei einem Vorstellungsgespräch, oder auch vorab, erfragen.

Home Office

Home Office nach Absprache. Als Projektmanager muss man sehr viel Kommunizieren. Das geht für gewöhnlich auch gut mit Telefon, oder besser mit einem Videoanruf. Wenn es jedoch darum geht, Menschen zu überzeugen, geht nichts über persönliche Anwesenheit. Es muss statt “Home Office nach Absprache” eher “Vorort, wenn nötig” heißen. “Vorort” heißt hier auch nicht, dass man in der Firma am eigenen Schreibtisch sitzt, sondern auch Vorort bei externen Projektteilnehmern ist.

Familiäre Duz-Kultur

Mal ganz davon abgehen, dass in der Anzeige “Gesiezt” wird, was einfach einen immersiven Bruch ergibt, ist die Ansprache nichts, auf das ich mich freue. Selbst in streng hierarchischen Firmen wird innerhalb der Abteilung immer geduzt und wenn man die Probezeit überstanden hat, auch im Großteil der restlichen Firma.

Geduzt wird auch oftmals, weil “die großen amerikanischen Firmen das auch so machen, die haben ja nur das ‘you’.” Im Englischen gibt es durchaus Unterschiede zwischen “you” und “you”. “Thank you, ma’am” = “Ich danke Ihnen” (sehr plakatives Beispiel). Im Englische, wie im Deutschen, kann man sich angepasst ausdrücken. Auf Du oder Sie kommt es nur an, wenn die Firma noch etwas altbacken ist.

Ich möchte meinen Arbeitgeber auch nicht als Familie bezeichnen. Auch wenn ich die Menschen in der Firma länger am Tag sehe als meine Familie (bei Pflichtanwesenheit im Büro mit ausnahmsweise mal Home Office), möchte ich das klar trennen. In einer Firma (in öffentlichen Behörden mag das ein bisschen anders laufen) gibt es ein Ziel. Gewinn, Gewinnsteigerung oder Zielerfüllung. Es geht um das liebe Geld. Ich verhelfe meinem Arbeitgeber, Geld zu machen und bekomme dafür einen Teil davon ab. Bei der Familie ist es anders (jedenfalls bei mir). Wir sind zusammen, wann wir zusammen sein wollen. Ganz ohne Vertrag.

Betriebliche Altersvorsorge. Schön, wenn ein Arbeitgeber das anbietet (manchmal freiwillig, manchmal durch Tarifvertrag).

Weiterbildungsmöglichkeiten

In vielen kleinen und mittelgroßen Firmen ist das Aufgabe des einzelnen Mitarbeitenden. Wenn man nicht selber mit sinnvollen und bezahlbaren Fortbildungsmaßnamen bei der Firma vorspricht, wird nichts in dieser Richtung passieren. In großen Firmen gibt es für gewöhnlich eine Abteilung, die sich um die Weiterentwicklung der Mitarbeiter kümmert. Letztendlich ist das ein Investment der Firma in ein Upgrade ihres Maschinenparks; mal ganz nüchtern betrachtet.

In der Anzeige folgen noch “So wird Ihr Arbeitsumfeld aussehen” und “Ihr Profil”. Auf ersteres will ich nicht weiter eingehen. Das ist nur kopiert aus einer beliebigen Projektmanager-Stelle plus ein bisschen Vertriebler.

Ihr Profil

  • ✔ Ihr Profil:
  • Abgeschlossenes Hochschulstudium in X oder Y o.ä
  • Erste Erfahrung in der Projektarbeit
  • Sicherer Umgang mit Projektmanagement-Tools (MS Office, MS Project, ERP-Systeme etc.)
  • Sehr gute deutsche und englische Sprachkenntnisse
  • Selbstsicheres Auftreten
  • Flexibel, Team- und kommunikationsfähig

Ok, man sollte einen Studienabschluss haben. Manchmal steht in den Anzeigen auch “Sie müssen diesen komplizierten Abschluss oder jenen schweren Abschluss haben, oder BWL“. Das ist ein Anzeichen für “Wir suchen eine Person, die viel schnacken kann und Projekte nach Zahlen beurteilt”.

Erste Berufserfahrung wünschen sich viele. Kostet halt ein bisschen mehr. Völlig in Ordnung.

MS-Office ist ein Projektmanagement-Tool? Selbst bei MS-Project ist das fragwürdig. Und was haben (beliebige) ERP-Systeme damit zu tun? Wahrscheinlich werden in Excel schöne bunte Tabellen in fleißiger langwieriger Handarbeit erstellt und der Geschäftsführung präsentiert. Gemacht wird dies, um Projektgelder bewilligt zu bekommen. Oder man möchte ein nicht ganz so gut laufendes Projekt weiter unterstützt wissen. Auch wenn die Zahlen in der “Business”-Präsentation stimmen, so ist die Präsentationsform so gewählt, dass sie das eigene Ziel unterstützt. Legitim. Man muss halt auch viel Vertriebler sein.

Mit den ERP-Systemen möchte man vermutlich nur wissen, ob man 1. weiß, was das ist und ob man die Einführung oder gar den Wechsel eines solchen Systems in einer Firma mitgemacht hat. Der Wechsel des ERP-Systems ist eine wahrliche Heldenaufgabe.

Teil der Serie: Recruiter
http://fabmo.de/news/recruiter-wieder/
http://fabmo.de/news/recruiter-diarrhoe/

Recruiter – wieder

Recruiter auf Xing

Recruiter auf Xing (und Linkedin, …) schreiben immer mal wieder über ihre schwere Arbeit. Die Arbeit ist bestimmt nicht leicht. Jedoch machen es sich einige (die meisten?) Recruiter zu leicht.

Eine Recruiterin (selbstständig) auf Xing hat dann ebenfalls über ihre Erfahrungen geschrieben. Es kam erst einmal sympatisch rüber. Vor allem auch, weil sie ihren Mann, der von Recruitern genervt ist, als Beispiel anführt. Sie schreibt auch, dass sie nicht als “Personal Fuzzi” auf die Telefonsperrliste kommen möchte. Wer möchte schon gesperrt werden.

Gedanken zu Recruitern

Am liebsten ist mir eine Nachricht, statt eines Anrufes. Im Normalfall wird dann per Nachricht ein Telefonat vereinbart.

Recruiter enthusiastisch am Telefon: “Ich habe ihr Profil gelesen und finde es toll.
Ich (gedanklich): “Ah ja, du also auch
Recruiter: “Ich arbeite für eine tolle Firma, die das, dies und jenes macht und Marktführer mindestens in Europa ist.
Ich (gedanklich): “Das interessiert mich so gar nicht. Komm mal zum Punkt
Recruiter: “Also ihr Profil passt super zu einer unserer ausgeschriebenen Stellen.
Ich (gedanklich): “No shit Sherlock
Recruiter: “Blah blah, und im Anschluss sende ich Ihnen den Link zur Stellenanzeige.”
Ich: “Mh, ja danke. Gucke ich mir bestimmt an.”

Schlechte Erfahrungen

Dreist finde ich, wenn im Telefonat Daten abgefragt, damit man nur bei dem Headhunter ins Portfolio aufgenommen wird. Da hatte ich letztens so eine Firma. Auf der Webseite noch alles mit “Du” und “Wir” und “wir sind alle hipp”. Am Telefon dann nur noch “Sie”. Die gute Frau hat auch nur lustlos einen Fragenkatalog vorgelesen. Vermutlich war sie schon längst im Feierabend und musste mich noch abfertigen. Bei meinen “witzigen” Antworten konnte ich ihre Augen rollen hören. Ich war bestimmt total originell und meine Antworten hat sie noch nie gehört 😉 Naja, war Absicht meinerseits. Ich habe dann auch nichts mehr von denen gehört.

Was ist wichtig?

Interessant sind nur Gespräche á la “Wir haben Ihnen die Stellenanzeige ja bereits zugeschickt und möchten Sie gerne für ein Gespräch mit der Fachabteilung einladen. Interesse?”

Warum sollte ich mich noch einmal mit meinen Daten, die auf Xing öffentlich sind, bei der Firma bewerben? Der Schritt ist doch schon längst getan.

Ein Angebot, was man nur ablehnen kann

Die meisten “Angebote” lehne ich direkt ab. Warum “Angebote”. Naja, es ist ja oftmals nur ein Link zu einer öffentlichen Stellenanzeige. Also kein wirkliches Angebot. Auf einige Kontaktversuche reagiere ich auch gar nicht.

Was ich auch nicht prickelnd finde ist, wenn auf der Firmenwebseite alles Geduzt wird, auch in den Stellenanzeigen, beim Gespräch dann jedoch stocksteif Gesiezt wird. Das ist für mich ein nur schwer verzeihbarer Stilbruch. Da muss die Firma sich erst mal klar werden, wer und wie angesprochen werden soll. “Du” in der Ansprache ist völlig ok für mich.

Ach ja, hier mein Xing Profil
https://www.xing.com/profile/Marcus_Kluetmann2