Recruiter – wieder

Recruiter auf Xing

Recruiter auf Xing (und Linkedin, …) schreiben immer mal wieder über ihre schwere Arbeit. Die Arbeit ist bestimmt nicht leicht. Jedoch machen es sich einige (die meisten?) Recruiter zu leicht.

Eine Recruiterin (selbstständig) auf Xing hat dann ebenfalls über ihre Erfahrungen geschrieben. Es kam erst einmal sympatisch rüber. Vor allem auch, weil sie ihren Mann, der von Recruitern genervt ist, als Beispiel anführt. Sie schreibt auch, dass sie nicht als “Personal Fuzzi” auf die Telefonsperrliste kommen möchte. Wer möchte schon gesperrt werden.

Gedanken zu Recruitern

Am liebsten ist mir eine Nachricht, statt eines Anrufes. Im Normalfall wird dann per Nachricht ein Telefonat vereinbart.

Recruiter enthusiastisch am Telefon: “Ich habe ihr Profil gelesen und finde es toll.
Ich (gedanklich): “Ah ja, du also auch
Recruiter: “Ich arbeite für eine tolle Firma, die das, dies und jenes macht und Marktführer mindestens in Europa ist.
Ich (gedanklich): “Das interessiert mich so gar nicht. Komm mal zum Punkt
Recruiter: “Also ihr Profil passt super zu einer unserer ausgeschriebenen Stellen.
Ich (gedanklich): “No shit Sherlock
Recruiter: “Blah blah, und im Anschluss sende ich Ihnen den Link zur Stellenanzeige.”
Ich: “Mh, ja danke. Gucke ich mir bestimmt an.”

Schlechte Erfahrungen

Dreist finde ich, wenn im Telefonat Daten abgefragt, damit man nur bei dem Headhunter ins Portfolio aufgenommen wird. Da hatte ich letztens so eine Firma. Auf der Webseite noch alles mit “Du” und “Wir” und “wir sind alle hipp”. Am Telefon dann nur noch “Sie”. Die gute Frau hat auch nur lustlos einen Fragenkatalog vorgelesen. Vermutlich war sie schon längst im Feierabend und musste mich noch abfertigen. Bei meinen “witzigen” Antworten konnte ich ihre Augen rollen hören. Ich war bestimmt total originell und meine Antworten hat sie noch nie gehört 😉 Naja, war Absicht meinerseits. Ich habe dann auch nichts mehr von denen gehört.

Was ist wichtig?

Interessant sind nur Gespräche á la “Wir haben Ihnen die Stellenanzeige ja bereits zugeschickt und möchten Sie gerne für ein Gespräch mit der Fachabteilung einladen. Interesse?”

Warum sollte ich mich noch einmal mit meinen Daten, die auf Xing öffentlich sind, bei der Firma bewerben? Der Schritt ist doch schon längst getan.

Ein Angebot, was man nur ablehnen kann

Die meisten “Angebote” lehne ich direkt ab. Warum “Angebote”. Naja, es ist ja oftmals nur ein Link zu einer öffentlichen Stellenanzeige. Also kein wirkliches Angebot. Auf einige Kontaktversuche reagiere ich auch gar nicht.

Was ich auch nicht prickelnd finde ist, wenn auf der Firmenwebseite alles Geduzt wird, auch in den Stellenanzeigen, beim Gespräch dann jedoch stocksteif Gesiezt wird. Das ist für mich ein nur schwer verzeihbarer Stilbruch. Da muss die Firma sich erst mal klar werden, wer und wie angesprochen werden soll. “Du” in der Ansprache ist völlig ok für mich.

Ach ja, hier mein Xing Profil
https://www.xing.com/profile/Marcus_Kluetmann2

Recruiter Diarrhö

Die Ansprache

Es ist nicht ungewöhnlich, dass man mal von einem Recruiter auf einem der anti/sozialen Netzwerke angeschrieben wird. Ich freute mich noch bei der ersten Handvoll von Anfragen. Mein Selbstwertgefühl wurde da noch gehoben. Aber mit der Zeit hat sich das Gefühl geändert.

Hier eine aktuelle Anfrage, die ich hier gekürzt wiedergeben möchte. Lieber Recruiter, wenn du dich hier wiedererkennst, bist du nicht alleine. Sei mir nicht böse.

Hallo Marcus,
du sprichst fließend Java? Testing ist genau dein Ding! Dann bin ich bei dir ja richtig.

Konkret, ich suche nach einem Software Test Ingenieur (w/m/d). Klasse Arbeitgeber, mehrfach ausgezeichnet als Bester Arbeitgeber. Sehr gutes Gehaltspaket mit vielen Sozialleistungen und Teamevents. Neues IT-Zentrum, mit Büros aus Glas und modernste Einrichtung.

Gearbeitet wird agil unter Scrum. Dich erwartet eine umfängliche Continuous Integration & Continuous Delivery Umgebung, in der du eigenverantwortlich arbeiten kannst. Durch die Technologie, die das Unternehmen nutzt, bist du immer auf dem aktuellsten Stand.

Tonart

Mir ist es gleich, ob ich gesiezt oder gedutz werde. Beides kommt etwa gleich oft vor. Auch darf der Tonfall generell etwas flapsiger sein, wenn es zum potentiellen neuen Arbeitgeber passt. Letztendlich interessieren mich nur ein paar Fakten, die ich mir beim Querlesen aus der Nachricht scanne.

Buzzword Bingo

Die Jahre vergingen bei mir, die Anfragen wurden jedoch immer langweiliger.
Buzzword Durchfall. Eine Krankheit, die viele Recruiter befällt.

Java, C#, Python, top modernes Büro, state of the art Arbeitsumgebung, neuste Technologien, Scrum, agile Methoden, beste Sozialleistungen, viele Zusatzleistungen, Teamevents, eigenverantwortliches Arbeiten, flache Hierarchien und noch relativ neu mit dabei CI und CD
Fast ausgestorben sind hingegen: familienfreundlich/Work life balance, geregelte Arbeitszeit, klare Strukturen

Die Buzzwords müssen irgendwie untergebracht werden. Egal ob es passt oder nicht.

Ist das Kunst, oder kann das weg?

Normalerweise antworte ich auf jede Nachricht, sofern sie nicht komplett daneben ist. Manchmal kommt es vor, dass Recruiter mit ihren Kunden durcheinander kommen und man eine Nachricht bekommt, die ganz offensichtlich nicht für mich bestimmt war. Ja, Recruiter sein kann sehr stressig sein. Aber als Recruiter macht man einfach keine gute Arbeit, wenn man nur einen Buzzword Generator anschmeißt und dann alle Leute anschreibt, die eine grob gefilterte Suche ausspuckt.

Meine Antwort

Hallo,
Glasbüros, am besten noch mit einer großzügigen Außenglaswand, auch wenn der Ausblick toll ist, sind ein Ausschlusskriterium für mich. Bei starker Sonneneinstrahlung kommt da keine Klimaanlage gegen an. Sofern es aus Umweltgründen überhaupt eine Klimaanlage gibt.

Ob jetzt Scrum, Kanban oder auch das gute alte Wasserfallmodell spielt hier keine so große Rolle, solange die Firma nicht versucht, mit der fancy agilen Methode gewisse Defizite im Management zu verdecken.

CI&CD sind der feuchte Traum eines jeden Managers. Jederzeit kann dem Kunden etwas präsentieren werden. Mit Scrum am Ende des Sprints sowieso.

“Eigenverantwortlich” heißt bei vielen Firmen leider, dass niemand die Verantwortung tragen möchte und man selber ohne Entscheidungsbefugnis Entscheidungen treffen soll.

“Viele Sozialleitungen” lässt mich aufhorchen. JobRad, JobFit, Nahverkehrsticket, Essen und Trinken und der Firma, Firmenwagen macht ja jeder. Wer hier mit “Vielen Sozialleistungen” auffallen möchte, muss sich schon was einfallen lassen. Vielleicht ist hier auch gemeint, dass die Firma viele soziale Leistungen erbringt und so den Hilfsbedürftigen unter die Arme greift (natürlich nicht nur aus steuerlichen Gründen).

Mfg, Marcus

Abschluss

So lange Antworten von mir sind eher die Ausnahme. Ja, meine Antwort ist auch polemisch. Jedoch, wenn dieser Text einem Recruiter hilft, seinen oder ihren Text zu überdenken, hat sich der Artikel schon gelohnt.

Auf eine gute und ehrliche Kommunikation!