Die Flucht aus Lowangen – jetzt in 3D
Es gibt zwei Arten von Rollenspielrunden: Die, die mit “Theater of the Mind” spielen, und die, bei denen der Spielleiter (also ich) dazu neigt, völlig zu eskalieren. Wer mich kennt, weiß, zu welcher Fraktion ich gehöre. Aktuell leite ich eine DSA-Runde (Das Schwarze Auge), die sich gerade mühsam durch das gefährliche Orkland kämpft. Das Abenteuer “Die Flucht aus Lowangen” bietet einige spektakuläre Szenen, und mein Maker-Herz schrie förmlich danach, diese Szenen nicht nur zu beschreiben, sondern auf den Tisch zu stellen.
Projekt 1: Wenn Stringing plötzlich ein Feature ist
Eine der Begegnungen findet in einem verfluchten Wald statt, der von Riesenspinnen bewohnt wird. Jeder, der schon mal mit 3D-Druck zu tun hatte, kennt das Problem von “Stringing” – diese feinen, nervigen Fäden, die entstehen, wenn der Drucker das Filament nicht sauber zurückzieht. Normalerweise tun wir alles, um das zu vermeiden. Aber was, wenn man genau das will?
Ich habe mit transparentem PETG auf dem Prusa XL experimentiert, um realistische Spinnennetze zu drucken. Der Trick dabei ist, die Retraction-Settings im Slicer bewusst “falsch” einzustellen oder Modelle zu nutzen, die speziell dafür designt sind, feine Fäden durch den leeren Raum zu ziehen.
Das Setup:
- Material: Transparentes PETG (wirkt glasig und organisch).
- Drucker: Prusa XL (wegen des großen Bauraums, um ganze Baumgruppen auf einmal zu drucken).
- Ergebnis: Es sieht widerlich echt aus. Besonders wenn man das Licht im Spielzimmer dimmt und eine kleine LED darunter platziert. Das PETG glänzt im Halbdunkel genau so fies wie echte Spinnenseide.
Projekt 2: Das Achaz-Observatorium
Aber Spinnennetze waren nur das Aufwärmprogramm. Das eigentliche Highlight der Kampagne ist ein uraltes Echsen-Observatorium. In der Beschreibung ist es ein massives Bauwerk voller Glyphen, fremdartiger Architektur und magischer Energie. Sowas kann man nicht einfach auf eine Battlemap malen. Das muss stehen.
Hier kam der Bambu Lab X1C zum Einsatz. Warum der Bambu und nicht der Prusa? Wegen der feinen Details. Die 0.4er Nozzle des X1C liefert bei 0.12mm Schichthöhe eine Qualität, die bei den feinen Glyphen an den Wänden absolut notwendig ist. Außerdem: Geschwindigkeit.
Die Herausforderungen:
- Druckzeit: Das Modell ist riesig. Ich musste es in vier Teile splitten, um es überhaupt drucken zu können. Gesamtdruckzeit: Knapp 35 Stunden.
- Supports: Das ewige Leid. Das Dach des Observatoriums hat massive Überhänge. Ich habe mich für Tree-Supports entschieden, da diese sich meist leichter lösen lassen und weniger Material verbrauchen. Trotzdem habe ich eine halbe Stunde mit der Zange verbracht, um das Innere freizulegen.
- Bemalung: Gedruckt habe ich in einem matten Grau (PLA), um eine Steinoptik als Basis zu haben. Der Rest ist Drybrushing und Wash, um die Jahrtausende der Verwitterung darzustellen.
Lohnt sich der Aufwand?
Man könnte fragen: “Marcus, warum druckst du tagelang an Zeug, das die Spieler vielleicht in 30 Minuten abhandeln?” Die Antwort ist einfach: Wegen der Gesichter. Wenn ich das Tuch von der Karte ziehe und da steht nicht nur ein Pappaufsteller, sondern eine 30cm hohe Ruine, in die sie ihre Miniaturen physisch hineinstellen können – das ändert das Spielgefühl komplett. Die Immersion ist sofort da. Die Bedrohung wirkt realer.
Und sind wir ehrlich: Es ist auch einfach eine verdammt gute Ausrede, um mehr Filament zu bestellen.
Habt ihr schon mal Gelände für eure Pen & Paper Runden gedruckt? Was war euer aufwendigstes Projekt? Ich muss jetzt erst mal Supports entfernen gehen…